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Margarete Schramböck

 

Europa : DIALOG mit …

 

Margarete Schramböck 

 

Bundesministerin für Digitalisierung & Wirtschaftsstandort

 

„Europa ist für mich die Chance, unsere Zukunft gemeinsam zu gestalten. Die Sicherung unseres Wohlstands und der europäischen Wettbewerbsfähigkeit spielt dabei eine zentrale Rolle. Wir müssen die Chancen der Digitalisierung nutzen, um Europa fit für die Zukunft zu machen.“ (M. Schramböck)

 

Margarete Schramböck & Benedikt Weingartner

 

Das Ressort ist spannend. Die Herausforderung enorm. Ebenfalls beachtlich: Die Motivation, der absolute Wille zum Erfolg. Wenn`s nur halb so einfach wäre, wie es sich anhört – hätten wir flächendeckend das schnellste Internet und wären vernetzt bis zur Omama. Die europäische Sozialisierung hat früh begonnen für Schramböck. London, GB. Sie wurde in Europa hinein geboren. Sicherheit ist wichtig, es geht um ein Europa das schützt. Digitalisierung ist unsere Chance, und damit die Hauptaufgabe. Europa ist Vielfalt in der Einheit, der Binnenmarkt ist riesig und bietet enorme Chancen. Überhaupt, unterschiedliche Vielfalt will auch zugelassen werden. Wir müssen Gemeinsamkeiten finden. Schramböck hat verschiedene Unternehmen geleitetet und ist bestens vernetzt. Es gibt keine Alternative zum europäischen Miteinander, das gilt für Unternehmen und Konsumenten. Der Binnenmarkt bringt Vorteile, es geht um Wettbewerb, Innovation und neue Themen.

 

Margarete Schramböck

 

Industriepolitik und Konsumentenschutz

 

Handel und Digitalisierung sind die erklärten Schwerpunkte in der Planung. Dazu Konsumentenschutz und Nachhaltigkeit. Die neue Industrie ist ein echter Challenge, wir brauchen Jobs in Europa. Die VOEST hat das modernste Stahlwerk der Welt in Kapfenberg hingestellt, Halbleiterspezialist Infinion hat sich Kärnten als Standort ausgesucht. Nicht China. Oder Japan. Und Industrie zurückholen ist eine Herausforderung, das Framework muss passen. Viele sind abgewandert, wegen billiger Arbeitskräfte. China und Indien sind uns in vielen Belangen voraus, nur mit der Qualität, da gibt es vielfach Probleme, abgesehen von der Computerwelt. Frau Minister möchte die Industriepolitik neu denken. Digitale Skills sind das Rüstzeug der Zukunft, nur leider, irgendwie haben wir die Revolution verpasst. Es braucht Schwerpunkte, es dauert, bis Dinge in Bewegung kommen. Die duale Ausbildung ist ein Exportschlager, entsprechend gering ist die Jugendarbeitslosigkeit im Vergleich zu Griechenland, Italien oder Portugal. Jetzt soll sie nach Grossbritannien, Bulgarien, und Rumänien gebracht werden, auch Frankreich hat Interesse bekundet. Es geht um Fachkräfte, die sind der Schlüssel zur Wettbewerbsfähigkeit. Asien ist Konkurrent, in Kärnten fehlen Spezialisten. Kompetenzen wollen aufgebaut werden, wer nix macht bleibt über.

 

M. Schramböck

 

Deregulierung: Wie bitte?

 

Es dürfte mittlerweile angekommen sein, dass unsere Gesetze reichlich wenig Spielraum bieten. Innovation wird gehemmt, und gerade hier brauchen wir Freiräume. Der 12-Stunden Tag ist ein anderes Thema, das geht unter Arbeitszeitflexibilisierung. Forschung und Entwicklung sollen stärker gefördert werden, in Deutschland gibt es bereits versuche zum autonomen fliegen, das ist weniger komplex als fahren. Wir sind hinten nach. Wettbewerb wäre angebracht, doch das braucht Freiraum. Wir wollen europäischen Mehrwert kreieren, also müssen wir was dafür tun. Der digitale Binnenmarkt ist der Renner schlechthin, die Forschung braucht nichtpersönliche Daten. Start-ups und Mittelständler dominieren die Landschaft, es geht um Versuche und Tests. In Bulgarien ist der Fluss nichtpersönlicher Daten ein Erfolgsmodell, Forschung ist der Schlüsselfaktor für die  Wettbewerbsfähigkeit. So Frau Minister. Bewegungsdaten ermöglichen neue Dienstleistungen, es braucht geeignete Voraussetzungen.

 

M. Schramböck

 

Schneller ans Geld!

 

Fördertöpfe gibt es viele. Effizienz steigern lautet die Devise, es macht keinen Sinn, wenn der gleiche Fördereuro dreimal umgedreht wird. Die Leute müssen schneller ans Geld kommen, so Schramböck, es soll einfacher und unbürokratischer Zugehen. Klingt vielversprechend, hier hat es öfters gehakt. Dann der MFR (Mehrjähriger Finanzrahmen). Investments und Digitales brauchen Geld, geht nicht gibt`s nicht. Wir haben tolle Köpfe in der Administration, nur: Wie viel Administration brauchen wir? Geht nicht etwas weniger?

 

Margarete Schramböck

 

Digital: Wir sind sehr analog!

 

Smartphones erobern die Welt, jetzt kommt das 5G Netz. E-Gorvernment ist der nächste Schritt. Der PC ist ein Massenprodukt, die Chancen liegen im Bereich Gesundheit, Beratung, Kommunikation. Chats boomen, Videos ebenfalls, digitale Kompetenz ist gefragt. Aber bitte mit Qualität, zwecks Performance. Die Billigvariante macht Ärger. E-Government wird zu Mobile Government. Es laufen 80% der Transaktionen über mobile Endgeräte wie Tablets u.a., Tendenz steigend. Behördengänge sollen erleichtert werden, der bürger entscheidet über digitale oder analoge Abwicklung der Dinge. Entsprechend braucht es geeignete Apps, das bringt Jobs. Wenig erfreulich ist der DESI-Index für Digitalisierung: Autsch, wir liegen im Mittelfeld. Frau Minister bezeichnet es gar als beschämend. Was die Internetnutzung betrifft, da sind wir überhaupt an vorletzter Stelle. Das ist gar nicht gut.

 

M. Schramböck

 

Zögerliche Sache: Fortschritt …

 

Es gibt Länder, da ticken die Uhren anders. Hier, in der alpenrepublik, scheinen sie in einigen Dingen besonders langsam zu gehen. Speziell im kommerziellen Bereich. 80% der Österreicher kaufen im Internet. Aber nur 25% der Unternehmen setzen auf Online-Vertrieb. Ergebnis: Das Geld geht ins Ausland. Ins weite Ausland. Nämlich auch raus aus Europa. Leute kaufen in Asien und sonst wie, jetzt soll eine Digitalisierungsagentur helfen, den Mittelständlern Lust auf das Internet zu machen. Vorab braucht es Beratung. Als Vorbild nennt Schramböck Estland. Von der digitalen Identität sind wir weit entfernt, dann der Tourismus. Dieser ist Gefangener einiger Plattformen, und kommt nicht raus, das haben die Touristiker übersehen. Das Geschäft machen die Plattformen, die einst stolzen Häuser sind zum Handlanger einiger windiger Digitalfreaks geworden. Das soll sich ändern. Dann der Bereich Forschung. Diversität ist gefragt, abwandernde Banken sind ein weiteres Problem. Auf ein Pendant zum Silicon Valley werden wir lange warten, ohne Investment geht`s jedoch nicht. Dazu kommt die Chance für Frauen mit Jobsharing – die Digitalisierung bringt neue Chancen, wenn wir sie nicht krampfhaft verhindern würden. Als Nebeneffekt bringt Frau Minister die Umweltverträglichkeit dieser Jobs ins Spiel, das ist bislang nämlich noch gar nicht angekommen, hier im Land.

 

Margarete Schramböck

 

Neu Ansätze gefragt!

 

Es wäre an der Zeit, dass die neuen Berufsbilder ankommen, nur so können neue Chancen genutzt werden. Schramböck spricht von einer Hardware-Baustelle, Software ist die Zukunft, speziell für Frauen. Ein Talente-Check wäre ein erster Schritt, die Gehaltsschere ist ein Desaster für sich. Im Klartext braucht es flexible Ansätze auf allen Ebenen, dann wird`s was. Lob auch für die Handelsabkommen, wir sind ein Exportland, jeder 2. Job ist an den Export gebunden. Wir müssen Hürden abbauen, und Standards erhalten. Japan, Singapur, Vietnam, hier gibt es Chancen und Märkte. Bis zu CEAT war`s ein weiter Weg, jetzt könnte das als Mustervertrag herhalten. Lebensmittel wie Kernöl aus der Steiermark oder Käse aus dem Zillertal, da geht was ab, ebenso mit Plastik aus Oberösterreich. KMUs boomen, das steht fest. Die Welt ist im Umbruch, das gilt für Handelspartner ebenfalls.

 

Margarete Schramböck & Benedikt Weingartner in Europa : DIALOG

 

Lösungen?

 

Digitale Kompetenz an Schulen ist angesagt, der digitale Unterricht eine weitere Überlegung. Kommunikation eröffnet neue Chancen, ebenso die damit verbundenen Softskills. Teambildung und Daseinsvorsorge werden ebenso genannt, und: Die digitale Identität bietet mehr Sicherheit als das analoge System. Transparenz und Sicherheit haben Vorrang, es geht um den sicheren Umgang mit dem Internet. Die Lohnnebenkosten müssen runter, Betriebe müssen schneller an Fördergelder, es geht um Vernetzung und Skills. Sparen am falschen Ort bringt Probleme und geht auf Kosten der Wettbewerbsfähigkeit, „Golden Plating“ spielt`s nicht länger. Überhaupt, Politik ist eine spannende Sache, interessant und zugleich verwirrend. Zusammenhalt wird noch eine wichtige Rolle spielen.

 

Text & Fotos:  Thomas Winkler